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Fakten

  • Organtransplantation ist zurzeit eine Notwendigkei
  • Es gibt weniger Spender als Organe benötigt werden
  • Organentnahme erfolgt nach dem Hirntod
  • Dieser wird durch zwei unabhängige Ärzte bestätigt
  • Eine Festlegung zur Organspende nimmt Angehörigen die schwierige Entscheidung ab

Infotelefon Organspende

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hat die BZgA einen telefonischen Informationsdienst zur Organ- und Gewebespende sowie zur Transplantation eingerichtet.
Tel.: 0800 9040400 
Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr

Status

Erstellt am: 17-06-2015
Aktualisiert: 02-12-2015
Autor: AMA/JMI

Organspende | Leben retten

Die Entscheidung zur Organspende ist sehr persönlich. Die folgenden Informationen sollen Ihnen helfen, einen Standpunkt zu finden, ob und mit welcher Entscheidung Sie Ihren Organspendeausweis ausfüllen.

Organspende rettet Leben

Nach heutigem Stand der Medizin ist die Organtransplantation für viele schwerkranke Patienten die einzige Chance zur Lebensrettung. In Deutschland bedarf es der ausdrücklichen Erlaubnis zur Organentnahme. Der Organspendeausweis beispielsweise ist bindend. Gibt es keine Willenserklärung dürfen die nächsten Familienangehörige nach dem mutmaßlichen Willen darüber entscheiden. Die beteiligten Ärzte dürfen diese Entscheidung nicht treffen. Um so wichtiger ist es, dass Sie sich selber mit dem Thema befassen und eine Entscheidung treffen.

Was bedeutet Transplantation und warum ist sie erforderlich?

 „Organ- und Gewebespende bedeutet die Übertragung von funktionstüchtigen Organen oder Geweben einer Person auf einen schwer kranken oder beeinträchtigten Menschen. Es unterscheiden sich die postmortale Organ- und Gewebespende und die Lebendorganspende. Die postmortale Organspende hat Vorrang vor der Lebendorganspende.“ (Definition der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Es gibt Forschungen im Bereich der Biomedizin über nachwachsende Organe mit Erfolgen, beispielsweise bei transplantierten nachwachsenden Herzklappen, doch beim aktuellen Stand dieser Forschungen werden Patienten und Mediziner noch einige Jahre auf Organspenden angewiesen sein.

Mehr Spendenbereitschaft erforderlich

In 2011 wurden in Deutschland postmortal über 2000 Nieren, über 1000 Lebern, weniger als 400 Herzen und Lungen und weniger als 200 Bauchspeicheldrüsen und Dünndärme entnommen und transplantiert. Insgesamt zu wenig, um den ca. 12.000 schwerkranken Patienten helfen zu können, die ein gesundes Organ benötigen.

Von der Organspende zur Transplantation

Auf der Intensivstation

Die Ärzte unternehmen in der Intensivmedizin alles, um das Leben des Patienten, zum Beispiel nach einem Unfall, zu erhalten. Bei einigen Patienten sind die Schädigungen der Gehirnfunktion jedoch so massiv, dass die Gehirnfunktion unwiederbringlich und vollständig zerstört wird. Ein Gehirn, das von der Versorgung abgeschnitten ist, stirbt ab. Die Folge ist der Gehirntod, also der unwiederbringlichen Verlust jeder Wahrnehmung, des Denkens, der Steuerung der Atmung und der zentralen Steuerungsfähigkeit für die gesamten Körperfunktionen.

Wissenschaftliche Kriterien zur Feststellung des Hirntods

In Deutschland gelten die Richtlinien der Bundesärztekammer. Der Hirntod ist eingetreten, wenn die irreversibel erloschene Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms festgestellt wird.
Die Diagnostik muss von zwei Ärzten mit mehrjähriger Erfahrung in der Intensivtherapie von Patienten mit schweren Hirnschädigungen durchgeführt und dokumentiert werden. Die Ärzte müssen die Untersuchung unabhängig voneinander vornehmen, nach einem gewissen Zeitabstand wiederholen oder auch ergänzende apparative Untersuchungen veranlassen. Beide Ärzte dürfen weder an der Organentnahme noch an der späteren Organübertragung beteiligt sein.

Unabhängigkeit der Ärzte

Die Richtlinie der Bundesärztekammer enthält klare und detaillierte Vorgaben für die Vorgehensweise und Kriterien für die körperlichen und apparativen Untersuchungen. Erst wenn auf diese Weise zweifelsfrei eine nicht umkehrbare Schädigung des Hirns nachgewiesen wurde, darf die Diagnose des Hirntods gestellt werden. Die Beatmung und das Herz-Kreislauf-System des Verstorbenen werden in diesem Fall weiter aufrechterhalten. Bis zur Organentnahme muss eine aufwändige intensivmedizinische Behandlung fortgesetzt werden.

Gespräch mit den Angehörigen

Wenn aus medizinischer Sicht eine Organ- und Gewebespende in Betracht kommt, führt der behandelnde Arzt oder ein Transplantationskoordinator das Gespräch mit den Angehörigen. Dabei wird die künstliche Beatmung weiter aufrechterhalten. Liegt keine Erklärung des verstorbenen Menschen zur Organspende vor, so entscheiden die Angehörigen nach seinem mutmaßlichen Willen.

Kriterien gegen eine Organspende

  •  HIV / Aids
  • aktive Tuberkulose
  • nicht behandelbare Infektionen (zum Beispiel Tollwut)
  • Sepsis (Blutvergiftung) mit multiresistenten Keimen
  • bösartige Krebserkrankungen ohne Aussicht auf Heilung
    Das Alter ist kein Kriterium für oder gegen eine Organspende.

Organentnahme

Die Organentnahme wird im Operationssaal mit der gleichen chirurgischen Sorgfalt vorgenommen wie jede andere Operation. Hierbei werden keine schmerzstillenden Medikamente verabreicht, weil eine Schmerzwahrnehmung beim endgültigen Ausfall der Gesamthirnfunktionen nicht mehr möglich ist. Es werden aber teilweise Medikamente zur Entspannung der Muskulatur verabreicht. Denn nach dem Eintreten des Hirntodes können spontan oder als Reaktion auf äußere Reize durch die Tätigkeit des Rückenmarks Bewegungen der Arme und Beine auftreten. Diese Bewegungen, die sogenannten Lazarus-Zeichen, sprechen nicht gegen den Hirntod. Sie entstehen außerhalb des Gehirns auf der Ebene von Rückenmark, Nerven und Muskulatur und sind für den Hirntod geradezu typisch. Sie haben mit dem personalen Leben des Menschen nichts zu tun und weisen auch nicht auf Schmerzempfindungen hin.

Nach der Entnahme werden die Organe auf schnellstem Wege zu dem jeweiligen Transplantationszentrum gebracht. Dort ist der Organempfänger bereits auf die bevorstehende Transplantation vorbereitet worden, die unmittelbar nach dem Eintreffen des Organs durchgeführt wird.

Nach der Organentnahme wird der Leichnam in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben. Die Angehörigen können in jeder gewünschten Weise Abschied vom verstorbenen Menschen nehmen.

Vermittlung

Die Vermittlung der Organe an einen geeigneten Empfänger ist strikt vom Prozess der Organspende getrennt. Für ihren Ablauf hat die Ständige Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer (StäKo) detaillierte Richtlinien entwickelt. Die eigentliche Vermittlung der gespendeten Organe erfolgt durch die beauftragte Vermittlungsstelle Eurotransplant (Stichting Eurotransplant International Foundation) mit Sitz in Leiden, Holland.

Die Stiftung Eurotransplant ist verantwortlich für die Zuteilung von Spenderorganen in Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Slowenien und Ungarn. Durch die internationale Zusammenarbeit steigen die Chancen für hochdringliche Patienten.

Die möglichen Organempfänger werden bei Eurotransplant registriert und in Wartelisten geführt. Eurotransplant vermittelt die gemeldeten Organspenden den jeweiligen nationalen Richtlinien entsprechend an die wartenden Patienten. Aktuell sind bei Eurotransplant rund 16.000 Patienten auf der Warteliste, 11.600 Patienten melden deutsche Transplantationszentren. Jährlich werden fast 7.000 Patienten neu registriert.

Eine ständige, interdisziplinäre und organspezifische Transplantationskonferenz des Transplantationszentrums entscheidet über die Aufnahme eines Patienten in die Warteliste. Die Suche der Organe erfolgt zuerst länderbezogen. Wenn im jeweiligen Mitgliedsland kein Spender gefunden wird, wird die Suche auf alle Eurotransplant-Mitglieder ausgedehnt. In besonders dringenden oder seltenen Fällen erfolgt sofort eine länderübergreifende Zuordnung.

Der Patient mit höchster Priorität erhält das Organangebot. Eurotransplant nimmt umgehend mit dem zuständigen Transplantationszentrum Kontakt auf. Wird das Organangebot nicht akzeptiert, wird das Organ dem nächsten Patienten angeboten.

Empfänger -  Eine Warteliste nach Richtlinien

Ärztliche Richtlinien entscheiden darüber, welche Patienten auf die Warteliste für eine Transplantation gesetzt werden oder ob medizinische Gegenargumente vorliegen. Hierfür hat die Bundesärztekammer eine Kommission eingerichtet, die diese Richtlinien immer wieder überprüft und aktualisiert.

Bedingungen für den Organempfänger:

  • eine andere Therapie verspricht keinen Erfolg mehr
  • die Erkrankung des eigenen Organs mündet mit Sicherheit in eine schwere, lebensbedrohliche Situation oder ein solches Krankheitsstadium ist bereits eingetreten
  • der erkrankte Mensch lebt nach einer erfolgreichen Transplantation mit hoher Wahrscheinlichkeit länger und besser als ohne diesen Eingriff.

Der Gesundheitszustand des Patienten muss allerdings stabil genug sein, damit  die Operation und die anschließende, dauerhafte erforderliche medikamentöse Behandlung erfolgreich durchgeführt werden können. Auch die allgemeinen Lebensumstände des Empfängers sollten den Erfolg der Behandlung nicht gefährden.

Gewebemerkmale sind wichtige Kriterien

Bei einer Nierentransplantation ist es besonders wichtig die Gewebemerkmale zu bestimmen. Das Ergebnis dieser Gewebetypisierung wird an die Vermittlungsstelle Eurotransplant gemeldet. Diese Typisierung wird auch bei  dem Organspender durchgeführt.

Je ähnlicher die Gewebemerkmale, die so genannten HLA-Merkmale (Human Leucocyt Antigen), der spendenden und der empfangenden Person ausfallen, desto schwächer wird voraussichtlich das Immunsystem des empfangenden Menschen auf das fremde Organ reagieren. Dadurch sinkt die Gefahr einer Abstoßung. Deshalb wird angestrebt, Organe mit möglichst ähnlichen Gewebemerkmalen zu finden.

Immunsuppressiva – die Stütze der Transplantationsmedizin

Durch die Entwicklung immer effektiverer so genannter Immunsuppressiva, also der Medikamente, die die körpereigene Abwehr unterdrücken, kann die Häufigkeit von Abstoßungsreaktionen reduziert werden. Dadurch verbessern sich die Funktionsraten transplantatierter Organe deutlich. Die immunsuppressiven Medikamente müssen nach einer Transplantation allerdings dauerhaft eingenommen werden, obwohl sie auch zahlreiche unerwünschte Wirkungen haben. So ist beispielsweise durch die herabgesetzte Immunabwehr die Gefahr, an einer Infektion zu erkranken, deutlich erhöht. Auch können andere Erkrankungen ausgelöst werden, wie z.B. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck oder eine Einschränkung der Nierenfunktion. Daher sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig.

Kosten

Die Leistungspflicht der Krankenkasse für die Intensivmedizin des potenziellen Organspenders endet, wenn bei diesem der Hirntod festgestellt worden ist. Die Kosten der Organentnahme und -transports, die nach dem Hirntod des Organspenders entstehen, werden durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation DSO vergütet. Diese wiederum erhält von der Krankenkasse des Organempfängers eine Pauschale für jedes transplantierte gespendete Organ.

Zusammensetzung der Pauschale

  • Organisationspauschale: Diese Pauschale deckt die Kosten ab, die der DSO sowie deren Landesgliederungen für die Organisation und die Durchführung der Entnahme entstehen.
  • Flugpauschale: Muss ein Spenderorgan per Flugzeug vom Spender zum Empfänger transportiert werden, fällt hierfür eine zusätzliche Pauschale an. Die Erstattung der Flugtransportkosten erfolgt je transplantiertes Organ, für das ein eigenständiger Flugtransport durchgeführt wurde.
  • Aufwandserstattung für Entnahmekrankenhäuser: Zur Finanzierung der Aufwendungen, die den Entnahmekrankenhäusern für die Organentnahme entstehen, zahlt die DSO den Kliniken eine aufwandsbezogene Pauschale.
  • Registrierungspauschale für Organvermittlung: In Deutschland ist die Zuordnung der gespendeten Organe organisatorisch von der Organentnahme getrennt. Für die Registrierung von potenziellen Organempfängern und die Vermittlung von Organen erhält die Stiftung Eurotransplant bei der Aufnahme eines potenziellen Organempfängers eine Registrierungspauschale von dessen Krankenkasse.
Patientenverfügung und Organspende

Wenn ein Patient aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls zu einer Entscheidung über die medizinische Behandlung nicht mehr selbst fähig ist, bietet eine Patientenverfügung die Möglichkeit, im Voraus bestimmte Festlegungen dafür zu treffen.

Liegen gleichzeitig eine Erklärung zur Organspende und eine Patientenverfügung vor, gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, welches Dokument ausschlaggebend ist. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um Ihren Standpunkt hierzu zu finden.

Die richtige Formulierung entscheidet

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) vertritt die Auffassung, dass sich Organspende und Patientenverfügung nicht entgegenstehen, vorausgesetzt, in der Patientenverfügung steht eine klare Aussage. Eine mögliche Formulierung wäre:
„Grundsätzlich bin ich zur Spende meiner Organe und Gewebe bereit. Es ist mir bewusst, dass Organe nur nach Feststellung des Hirntods bei aufrechterhaltenem Kreislauf entnommen werden können. Deshalb gestatte ich ausnahmsweise für den Fall, dass bei mir eine Organspende medizinisch in Frage kommt, die kurzfristige (Stunden bis wenige Tage umfassende) Durchführung intensivmedizinischer Maßnahmen zur Bestimmung des Hirntods nach den Richtlinien der Bundesärztekammer und zur anschließenden Entnahme der Organe.“

Das Bundesministerium für Justiz rät außerdem festzulegen, ob die  Patientenverfügung oder die Erklärung zur Organspende Vorrang haben soll. Eine mögliche Formulierung ist:
„Ich stimme einer Entnahme meiner Organe nach meinem Tod zu Transplantationszwecken zu (ggf.: Ich habe einen Organspendeausweis ausgefüllt). Komme ich nach ärztlicher Beurteilung bei einem sich abzeichnenden Hirntod als Organspender in Betracht und müssen dafür ärztliche Maßnahmen durchgeführt werden, die ich in meiner Patientenverfügung ausgeschlossen habe, dann

  •  geht die von mir erklärte Bereitschaft zur Organspende vor." 
    ODER
  • gehen die Bestimmungen in meiner Patientenverfügung vor."

Auch beim Ausschließen einer Organspende, ist ein entsprechender Passus in der Patientenverfügung sinnvoll.